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27.01.2017, 00:48 Uhr
Gedenkworte am 27.01.2017 bei der Kranzniederlegung
Ansprache von Maximilian Tauscher
Wir wissen:

Der heutige Gedenktag war am 3. Januar 1996 durch Proklamation des
Bundespräsidenten Roman Herzog eingeführt und auf den 27. Januar festgelegt worden. Von den Vereinten Nationen wurde dieser Tag im Jahr 2005 zum Gedenktag für die Opfer des Holocaust erklärt.
 
Am 27. Januar 1945 befreiten Soldaten der Roten Armee die Überlebenden des KZ Auschwitz-Birkenau, des größten Vernichtungslagers des Nazi-Regimes. 
In seiner Proklamation führte Roman Herzog aus:
 
„Die Erinnerung darf nicht enden; sie muss auch künftige Generationen zur Wachsamkeit mahnen. Es ist deshalb wichtig, nun eine Form des Erinnerns zu finden, die in die Zukunft wirkt. Sie soll Trauer über Leid und Verlust
ausdrücken, dem Gedenken an die Opfer gewidmet sein und jeder Gefahr der Wiederholung entgegenwirken.“...
„Dieses Gedenken ist nicht als ein in die Zukunft wirkendes Schuldbekenntnis gemeint. Schuld ist immer höchstpersönlich, ebenso wie Vergebung. Sie vererbt sich nicht.“

Angesichts der in unserem Land wieder lautstark vernehmbaren rechtsradikalen Parolen stellen wir uns dieser Verantwortung und gedenken heute aller Opfer des Nationalsozialismus: „Juden, Christen, Sinti und Roma, Menschen mit Behinderung, Homosexuelle, politisch Andersdenkende sowie Männer und Frauen des Widerstandes, Wissenschaftler, Künstler, Journalisten, Kriegsgefangene und Deserteure, Greise und Kinder an der Front, Zwangsarbeiter und an die Millionen Menschen, die unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft entrechtet, verfolgt, gequält und ermordet wurden.“
 
Wir erinnern

In der Villa Am Großen Wannsee Nr.56/58 fand am 20.Januar 1942 eine Besprechung über die Endlösung der Judenfrage statt. Die Vernichtung der europäischen Juden war schon beschlossen. Der Chef der Sicherheitspolizei und des Sicherheitsdienstes, SS-Obergruppenführer Reinhard Heydrich hatte dazu eingeladen. Zu Beginn teilte er seine Bestellung zum Beauftragten für die Vorbereitung der Endlösung der europäischen Judenfrage mit

 „ und wies darauf hin, dass zu dieser Besprechung geladen wurde, um Klarheit in grundsätzlichen Fragen zu schaffen. 
Der Wunsch des Reichsmarschalls (Göring), ihm einen Entwurf über die
organisatorischen, sachlichen und materiellen Belange im Hinblick auf die Endlösung der europäischen Judenfrage zu übersenden, erfordert die vorherige gemeinsame Behandlung aller an diesen Fragen unmittelbar beteiligten Zentralinstanzen im Hinblick auf die Parallelisierung der Linienführung.“

Adolf Eichmann hatte 30 Exemplare des Protokolls dieser Konferenz ausfertigen lassen. Lediglich das 16.Protokoll, das vom Unterstaatssekretärs Luther, war 1947 in den Unterlagen des Auswärtigen Amtes vom Chefankläger im Nürnberger Prozess Robert Kempner gefunden worden.
Eine Fortsetzung dieser Konferenz fand nicht statt, weil tschechische
Widerstandskämpfer mit britischer Unterstützung am 27. Mai 1942 eine Bombe an Heydrichs offene Limousine warfen. An den Folgen der Verletzungen starb Heydrich am 4.Juni 1942 .
 
Als Vergeltungsmaßnahme fand dann das Massaker von Lidice am 10. Juni
1942 statt.
 
Wir bedenken

13 Jahre lang haben Historiker des Holocaust Memorial Museum in Washington Konzentrationslager, Kriegsgefangenenlager, Arbeitslager, Ghettos, Judenhäuser und Bordelle, in denen weibliche Gefangene zur Prostitution gezwungen wurden, erfasst und erforscht. Sie haben versucht, jeden Ort zu dokumentieren, an dem jemand verfolgt, zur Arbeit gezwungen, gefoltert, inhaftiert oder ermordet wurde aus den Jahren 1933 bis 1945.
Am Ende zählen sie 42.500 Stätten der Gewalt. Selbst ausgewiesene Experten sind überrascht und finden die Zahl "unglaublich".
 
Als größtes Lager haben die Forscher vom Holocaust Memorial Museum in Washington das Warschauer Ghetto identifiziert, in dem bis zu 500 000 Juden vor ihrem Weitertransport in die Vernichtungslager eingepfercht wurden. Allein in Berlin sind 3000 Lager und sogenannte Judenhäuser nachweisbar, in Hamburg 1 300.
 
Wie wir wissen, gab es auch in Kleinmachnow ein Judenhaus Auf der Drift 12, um das sich die Aktion Stolpersteine sehr verdient gemacht hat. 

Das Ergebnis ihrer Arbeit hat nicht nur die Forscher selbst entsetzt, sondern auch ihre Kollegen. 15 bis 20 Millionen Gefangene und Tote zählten sie in der Zeit zwischen 1933 und 1945, 30.000 Zwangsarbeitslager, 1.150 Ghettos, 980 Konzentrationslager, 1.000 Kriegsgefangenenlager und 500 Bordelle. Dazu Tausende Durchgangslager, „Heilstätten“, in denen psychisch kranke Menschen zu Opfern des Euthanasie-Programms der Nazis wurden, Lager, die der Zwangsgermanisierung von Gefangenen und anderen Absichten dienten.

Wir beklagen,
 
dass auch in unserem Ort jüdische Mitbürgerinnen und Mitbürger KZ-Häftlinge, als Zwangs- und Fremdarbeiter gelitten haben.

Maximilian Tauscher

PS:
Als die Forscher ihre Arbeit vor 13 Jahren begannen, seien sie von 7.000 nationalsozialistischen Konzentrationslagern und Ghettos ausgegangen, erklärte der Historiker und Chefredakteur der Holocaust-Enzyklopädie, Geoffrey Megargee, der New York Times. Mit den Jahren wuchs die Zahl der Orte zunächst auf 11 500, dann auf 20.000, 30.000 und schließlich auf 42.500 – eine Zahl, die selbst den Leiter des Deutschen Historischen Instituts in Washington, Hartmut Berghoff, überrascht hat. Er nennt sie „unglaublich“.
 
Wie sie zustande kam, können die Forscher gleichwohl erklären. Es seien kaum neue Orte entdeckt worden, erklärte Megargee Zeit-Online. Erkenntnisse über die Orte, an denen Menschen verfolgt, zur Zwangsarbeit gezwungen oder ermordet wurden, habe es bereits zuvor gegeben. Niemand vor seinem Team aber habe das Mosaik von Daten aus Einzelstudien zusammengesetzt.

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