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08.05.2017, 15:30 Uhr
Gedenkworte am 8.Mai 2017 bei der Kranzniederlegung
Maximilian Tauscher


Am 27.Januar d.J., dem Gedenktag für die Befreiung des KZ Auschwitz, hatten wir im Zusammenhang mit der “Wannseekonferenz“ die Bürokratie der Tötung unfassbar vieler Menschen betrachtet.
Es geht in unserer Zeit, in unserem Land, ja in jedem Ort um eine verantwortliche Erinnerungskultur. In den Wochen seit diesem Datum wurde in den Medien im Abstand mit dem Vorrücken der Alliierten der Befreiung so vieler KZ und Sammellager gedacht. Gedenken an Todesmärsche des KZ Sachsenhausen...
Kleinmachnow OdF Platz - .


Im Belower Wald bei Wittstock/Dosse im Kreis Ostprignitz-Ruppin ist am 21.04.2017 der Todesmärsche von KZ-Häftlingen gedacht worden. "Im Belower Wald lagerten kurz vor Kriegsende auf einem Todesmarsch Tausende KZ-Häftlinge unter unwürdigsten Bedingungen, viele von ihnen starben. Hier wird besonders augenscheinlich, von welchem unbarmherzigen, menschenverachtenden System Deutschland 1945 befreit wurde", sagte Brandenburgs Kulturstaatssekretärin Ulrike Gutheil (parteilos) in einem Grußwort.

Im Belower Wald an der Landesgrenze Brandenburgs zu Mecklenburg kreuzten sich mehrere Routen und so waren dort zeitweise bis zu 16 000 Häftlinge. Beim Heranrücken der Roten Armee hatte die SS am 21. April 1945 mehr als 30 000 KZ Häftlinge aus dem Konzentrationslager Sachsenhausen in Oranienburg (Oberhavel) auf Märsche in Richtung Nordwesten getrieben. Mehr als 1000 Menschen starben unterwegs oder wurden von der SS erschossen. Am 29.April wurde in Sachsenhausen der Befreiung des Konzentrationslagers durch die Rote Armee vor 72 Jahren gedacht.

2012 hat eine Studie des Sterns, Verfasser Benjamin Ortmeyer, für Aufsehen gesorgt: Danach hat in Deutschland jeder Fünfte zwischen 18 und 29 Jahren noch nie von Auschwitz gehört. Er hat in drei Jahren rund 1000 Studierende befragt. Er kam zu folgenden Ergebnissen : Benjamin Ortmeyer erklärte: Eines vorweg: Wir haben diese Erhebungen nicht gemacht, um Studierende zu blamieren. Ganz im Gegenteil, im Sinne der alten Sokratesmethode ging es darum, Nichtwissen in Wissen zu verwandeln. Aber auch wir sind tatsächlich auf erhebliche Wissenslücken gestoßen. Die Zahl von sechs Millionen ermordeter Juden oder auch der Begriff Auschwitz sind zwar bekannt, aber fundierte Kenntnisse darüber hinaus fehlen.

Geht man davon aus, dass jede Erinnerung ihren Bezug in der Gegenwart hat, stellt sich abschließend die Frage, ob es eine Auseinandersetzung mit der Vergangenheit aus reinem Selbstzweck überhaupt geben kann. Erinnerung macht vor allem dann Sinn, wenn man versucht, eigene Lehren aus der Geschichte zu ziehen, um die Gegenwart besser und erträglicher zu gestalten. Fünf Semester lang haben wir ein Lehr- und Forschungsprojekt an der Goethe-Universität Frankfurt durchgeführt, es trug den Titel »Reflexionen über die NS-Zeit und die NS Pädagogik als Vorbereitung auf den Lehrberuf«. Das hat die Hans-Böckler-Stiftung ermöglicht.

Es wurden Verbrechen, Ideologie, aber auch die Pädagogik der Nazis thematisiert. Das Interesse bei den Studierenden war erfreulich groß. An den Vorlesungen haben mitunter mehr als 700 Personen teilgenommen. In diesem Rahmen haben wir Forschungen anhand umfangreicher Fragebogenaktionen durchgeführt, die je circa 300 Studierende der Erziehungswissenschaften in den letzten drei Semestern ausgefüllt haben. Mehr als 90 Prozent der Teilnehmer betonten in einer abschließenden Befragung, dass gerade diese Fragebogenaktion ihnen ihr Nichtwissen gezeigt hätte und daraus bei ihnen ein Interesse erwachsen sei, sich genauer mit den Verbrechen des NS-Regimes zu befassen.

Es ist ermutigend, dass in diesem Jahr 2 Schüler vom Weinberggymnasium,
Hendrik Bodanowitz und Benjamin Förder in einer Seminararbeit das Thema bearbeitet haben: „Die Entstehung des Kleinmachnower OdF-Platzes 1949 und seine Nutzung nach der Deutschen Wiedervereinigung - Eine Auseinandersetzung mit der Erinnerungskultur der DDR“ In der Sitzung des KUSO-Ausschusses unserer Gemeindevertretung am 7.März haben sie die Arbeit mit großer Zustimmung vorgestellt. Thesen der Arbeit: „Die OdF-Erinnerungskultur diente der propagandistischen Verehrung kommunistischer Widerstandskämpfer. Beim Kleinmachnower OdF-Platz handelte es sich zur Zeit der DDR nicht um eine Gedenkstätte für alle Opfer des Nationalsozialismus , sondern um eine Gedenkstätte für kommunistische Widerstandskämpfer. Die historische Bedeutung der OdF-Erinnerungskultur ist im Bewusstsein der Kleinmachnower Bevölkerung nicht vorhanden.“ Ich hoffe, dass die Bewertung gut ausgefallen ist.

Am 22.05. vor einem Jahr erklärte der Direktor der Stiftung Brandenburgische
Gedenkstätten, Günter Morsch, der Deutschen Presse-Agentur: "Wir freuen uns außerordentlich, dass nach langjährigen Bemühungen endlich am historischen Ort eine frei zugängliche Gedenkstätte entsteht". Für die seit Jahren geforderte Gedenkstätte zur Erinnerung an die Geschichte des Zuchthauses Brandenburg-Görden beginnen im Juli die Arbeiten. Zwischen 1933 und 1945 führte die NS-Justiz im Zuchthaus Brandenburg-Görden einen unmenschlichen Strafvollzug durch, der durch Hunger, gesundheitsschädliche Arbeitsbedingungen und eine Behandlung abgestuft nach rassistischen Kriterien gekennzeichnet war.

Bis zu 60% der Inhaftierten waren politische Gefangene. Mit Kriegsbeginn kamen Verurteilte aus ganz Europa nach Brandenburg-Görden. Ab 1942 gab die Justiz einen Teil der Gefangenen zur "Vernichtung durch Arbeit" an die Konzentrationslager ab. In der Strafanstalt im Stadtteil Görden installierten die Nazis 1940 eine Hinrichtungsstätte. Umgebracht wurden dort 2030 Menschen unter anderen die Widerstandskämpfer Bernhard Bästlein und Anton Saefkow (beide am 18.9.1944), der Sportler und Kommunist Werner Seelenbinder (24.10.1944), der Vorsitzende des Freidenker-Verbandes Max Sievers (17.1.1944) und der katholische Priester Max Josef Metzger.

Metzger stammt aus Schopfheim und wurde am 3.2.1887 geboren. Nach ihm ist in unserer Partnerstadt eine Schule benannt. Während seines Theologiestudiums in Freiburg im Breisgau und in Fribourg/ Schweiz eröffnete sich für ihn der sozial-caritative Bereich als Lebensaufgabe. Nach seiner Promotion 1910 schlug Metzger trotz hervorragender Begabung eine wissenschaftliche Laufbahn aus und ging in den Seelsorgedienst. In den Jahren danach setzte er sich mit den Erfahrungen des 1.Weltkrieges vehement für Völkerverständigung und Völkerfrieden ein und verfasste ein internationales religiöses Friedensprogramm und gründete innerhalb der Ökumene die Una sancta-Bewegung.

Zum Jahreswechsel 1939/40 veröffentlichte er gemeinsam mit dem pensionierten Strausberger Superintendenten Joachim Ungnad einen Aufruf zum Gebet für die Vereinigung der Christen. Herr Ungnad hatte seit 1935 intensiven Kontakt zum damaligen katholischen Pfarrer in Kleinmachnow Karl Moritz. Wegen seiner vielfältigen und öffentlichkeitswirksamen Aktivitäten geriet Max Josef Metzger ins Visier der Gestapo, wurde aufgrund des Verrats der Gestapoagentin Dagmar Imgart, die sich als Spitzel in die Una-Sancta-Bewegung eingeschlichen und sein Vertrauen erworben hatte, nach einem groß angelegten Schauprozess wegen "Hochverrats und Feindbegünstigung'' vom Volksgerichtshof unter Vorsitz seines Präsidenten Roland Freisler zum Tode verurteilt und am 17.4.1944 hingerichtet.

Die juristische Aufarbeitung dieses und anderer Unrechtsurteile blieb sehr unvollkommen. Die Denunziantin Dagmar Imgart, wurde 1947 im Rahmen der Entnazifizierung von der Spruchkammer in Gießen als Hauptschuldige zu zehn Jahren Internierungslager verurteilt, jedoch bereits nach drei Jahren entlassen. Die strafrechtliche Aufarbeitung war unzureichend. Zunächst wurde die genannte Gestapobeamtin im Oktober 1951 durch das Schwurgericht Limburg vom Vorwurf der Beihilfe zum Mord und zur Freiheitsberaubung freigesprochen. Nachdem der Bundesgerichtshof dieses Urteil aufgehoben hatte, konnte sich das Schwurgericht Kassel lediglich zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und drei Monaten Zuchthaus wegen Freiheitsberaubung verstehen. Es lehnte es ab, das Todesurteil als materiell rechtswidrig zu bezeichnen. Erst auf die erneute Revision hin erklärte der BGH das Urteil als Terrorurteil, es handele sich um
„Rechtsprechung als Terrorinstrument“. Nachdem Freisler wegen seines Todes nicht zur Rechenschaft gezogen werden konnte, stand nur noch Hans-Joachim Rehse , der Beisitzer, zur Verfügung. Letztlich scheiterte auch das gegen ihn wegen Rechtsbeugung und anderer Delikte eingeleitete Verfahren.

Erst 1997 wurde das Todesurteil gegen Max Josef Metzger postum vom Landgericht Berlin aufgehoben.

Vom 1. August 1940 bis zum 20. April 1945 wurden im Zuchthaus Brandenburg-Görden ca. 2030 Menschen aus dem Deutschen Reich und vielen Ländern Europas hingerichtet. Nach 1945 war das Zuchthaus Brandenburg-Görden eine der größten Haftanstalten der DDR, wo viele tatsächliche oder vermeintliche Gegner des SED-Regimes meist langjährige Freiheitsstrafen verbüßten.

Wir erinnern heute auch an die 11000 Zwangsarbeiter in Brandenburg.
Im Nationalsozialismus entwickelte sich der Industriestandort Brandenburg zu einem Schwerpunkt der Rüstungsindustrie. Frauen und Männer aus den von den Nationalsozialisten besetzten Ländern und Territorien wurden hierher verschleppt, um in den kriegswichtigen Betrieben Zwangsarbeit zu leisten.
1943 zählte die Stadt nahezu 11.000 Zwangsarbeiter aus 15 Nationen. In der
Mitteldeutschen Stahlwerke AG, der Adam Opel AG und vielen anderen Betrieben mussten sie unter unmenschlichen Bedingungen Schwerstarbeit verrichten. Von der Bevölkerung isoliert und schwer bewacht waren die Zwangsarbeiter in Barackenlagern untergebracht. Bis zu ihrer Befreiung im Mai 1945 starben 1.100 von ihnen an Unterernährung und Krankheit. Ihre Grabstätten sind auf dem Hauptfriedhof Görden und dem Friedhof Kirchmöser-Ost zu finden.

Am Ende des Zweiten Weltkrieges lautete die Haltung der Aliierten noch:
„Deutschland wird nicht mit dem Ziel der Befreiung besetzt, sondern als eine besiegte feindliche Nation zur Durchsetzung alliierter Interessen.“ Bundespräsident Richard von Weizsäcker sagte bei der Gedenkveranstaltung im Plenarsaal des Deutschen Bundestages zum 40. Jahrestag des Endes des Zweiten Weltkrieges in Europa am 8. Mai 1985 unter anderem: „Niemand wird um dieser Befreiung (vom Nationalsozialismus) willen vergessen, welche schweren Leiden für viele Menschen mit dem 8. Mai erst begannen und danach folgten. Aber wir dürfen nicht im Ende des Krieges die Ursache für Flucht, Vertreibung und Unfreiheit sehen. Sie liegt vielmehr in seinem Anfang und im Beginn jener Gewaltherrschaft, die zum Krieg führte. Je ehrlicher wir diesen Tag begehen, desto freier sind wir, uns seinen Folgen verantwortlich zu stellen.“

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